Am 27. September 2026 treten Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU) in einer Stichwahl gegeneinander an. Sie beide wollen ab November Bürgermeister in Stade werden und lagen bei der Wahl am 13. September nur etwa 300 Stimmen auseinander. Es ist also auch bei der Stichwahl von einem Kopf-an-Kopf-Rennen auszugehen.
Was jetzt schon sicher ist: Auf den neuen Bürgermeister wartet ein arbeitsreicher und vielfältiger Start, denn die Themen sind umfangreich und die Baustellen zahlreich. Durch die Erkrankung des bisherigen Bürgermeisters ist Stade schon lange führungslos. Zwar gibt es Vertreter – der lange Ausfall ist dennoch deutlich spürbar.
Das sollte der neue Bürgermeister in Stade anpacken
Wir haben unsere Instagram-Community gefragt, welche Verbesserungen die Bevölkerung vom neuen Bürgermeister erwartet. Darüber hinaus haben wir weitere Punkte gesammelt, die aus Sicht von „Dein Stade“ angegangen werden sollten:
Sicherheit
Themen rund um Sicherheit wurden von unserer Community am häufigsten genannt. Fakt ist: durch die teilweise schweren bzw. öffentlichkeitswirksamen Straftaten fühlen sich viele verunsichert. Um die Sicherheit bzw. das Sicherheitsgefühl zu verbessern, ist der Bürgermeister natürlich auf eine starke Polizei und Polizeipräsenz angewiesen. Bessere und mehr Beleuchtung, Videoüberwachung und der neue kommunale Ordnungsdienst sind einige kleine Dinge, die für ein höheres Sicherheitsgefühl sorgen könnten und von kommunaler Hand umsetzbar sind. Der neue Bürgermeister muss das Thema jedenfalls sehr ernst nehmen und Lösungen finden. Dass die Innenstadt an Wochenenden abends oft menschenleer ist, wenn keine Veranstaltung stattfindet, muss sich zwingend ändern. Mehr Menschen in Sichtweite sorgen automatisch für ein besseres Sicherheitsgefühl. Sicherheit darf jedoch nicht bei Beleuchtung, Videoüberwachung und einem kommunalen Ordnungsdienst aufhören.
Attraktivere Innenstadt
Auch eine lebendigere bzw. attraktivere Innenstadt wurde von unserer Community häufig genannt. Dabei muss man ehrlich sein: So unattraktiv ist unser Stade in der Innenstadt gar nicht. Natürlich ist ein gewisser Laden-Leerstand derzeit stark sichtbar. Das ist jedoch kein Stade-Trend, sondern ein generelles Problem von Innenstädten.
Veranstaltungstechnisch ist Stade sehr gut aufgestellt. Gefühlt jagt ein Event das nächste. Dennoch folgen die Veranstaltungen seit Jahren den gleichen oder ähnlichen Konzepten. Es fehlt ein Stück weit das Besondere. Aus unserer Sicht dürften es gerne ein paar Events weniger sein, wenn dafür eine Veranstaltung mit mehr Strahlkraft entstünde. Dafür lohnt sich beispielsweise ein Blick nach Lüneburg oder Travemünde. Wenn beispielsweise das MAMF-Festival erfolgreich sein und als Familienfestival weiter bestehen will, braucht es ein familientaugliches Konzept. Warum man nicht ein paar Kinderaktivitäten anbietet oder eine Band für Kinder spielen lässt, ist uns tatsächlich ein Rätsel. Und mal ehrlich: Das Line-Up hat in diesem Jahr einfach nicht überzeugt. Auch hier gilt: Lieber weniger und dafür mehr Acts mit Strahlkraft für Erwachsene und Kinder.
Was neben Läden, Gastronomie und Veranstaltungen zu einer attraktiven Innenstadt auch gehört, sind passende Öffnungszeiten. Als normaler Arbeitnehmer schafft man es unter der Woche nur schwer vor 18 Uhr in die Innenstadt. Da haben allerdings nur noch die großen Ketten geöffnet. Dass selbst zu Veranstaltungszeiten viele Geschäfte auch samstags schon um 14 Uhr schließen, trägt ebenfalls nicht zu einer attraktiven Innenstadt bei. Die Online-Präsenz der meisten Geschäfte lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Klar kann es da übergreifende Konzepte geben. Im Kern wird ein Bürgermeister höchstens Impulsgeber sein können.
ÖPNV und Parkplätze
Wer zu einer Veranstaltung in die Innenstadt möchte und dort auch ein Glas Wein oder Bier trinkt, ist zwingend auf das Taxi oder den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Doch letzterer fährt zu später Stunde nicht mehr regelmäßig oder fährt die umliegenden Orte gar nicht erst an. Ein Taxi kann sich nicht mehr jeder leisten.
Es braucht also zwingend einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit deutlich besseren Taktungen – vor allem zu Veranstaltungszeiten. Dafür kann sich ein Bürgermeister stark machen.
In Bezug auf die Anzahl an Parkplätzen kann sich Stade wahrlich nicht beklagen – zumindest sobald die Sanierung des Parkhauses Am Sande abgeschlossen ist. Mit Parkgebühren in Höhe von maximal 5,- Euro pro Tag ist Stade zudem eher im Tiefpreissegment angesiedelt. Wer in den umliegenden Straßen, am Bahnhof oder am Stadeum parkt, kommt sogar noch günstiger weg. Problematisch ist eher, dass die Parkhäuser bereits um 22 Uhr schließen.
Stadtmarketing
Stade Marketing und Tourismus macht veranstaltungstechnisch einen tollen Job. Gleichzeitig braucht Stade deutlich mehr Strahlkraft im Tourismus. Das fängt mit der Bekanntheit an. Frag doch einfach mal U-40-jährige Personen ab 200 Kilometer südlich von hier, wo Stade liegt. Du wirst merken: Der Großteil kann Stade geographisch nicht genau einordnen. Der Tourismus beschränkt sich größtenteils auf Menschen, die eigentlich das Alte Land besuchen. Es könnte deutlich mehr für jüngere Menschen bzw. Familien angeboten werden, was auch Strahlkraft außerhalb Stades hat. Das kann ein nennenswertes Musikfestival sein (siehe Deichbrand, Lüneburger Kultursommer, Hurricane und Wacken), aber auch ein Surfpark, eine Therme oder Familienhotels. Warum nicht auch mal groß denken? Klappt woanders auch.
Wo Stade sich groß darstellt, ist im maritimen Sektor. Als Hansestadt trägt Stade das schließlich im Namen. Doch so ziemlich jeder Ort an der nahegelegenen Ostsee, Nordsee oder direkt an der Elbe ist – wenn man mal ehrlich ist – maritimer als Stade und damit touristische Konkurrenz. Ein maritimer Ort lebt vom Hafen und von den Schiffen, von Fischerei, Strand und einer Atmosphäre direkt am Wasser. Vieles davon hat Stade zwar irgendwie. Jedoch nicht zentriert und dadurch ein wenig eingeschränkt. Stade hat trotzdem viel zu bieten und ist eine Reise wert. Dennoch gehört zum Maritimen z.B. auch die Schifffahrt dazu. Die beschränkt sich in Stade mit sehr wenigen Ausnahmen auf das Paddeln im Burggraben. Zum Schiffegucken nach Stadersand sind es von der Innenstadt aus etwa 6 Kilometer. Für Fuß-Touristen zu weit. ÖPNV oder Shuttle dorthin: Fehlanzeige. Und so richtig schön und maritim ist der Weg dorthin, der am Chemiepark vorbeiführt, wahrlich nicht.
Dafür punktet der modernisierte Weihnachtsmarkt Am Fischmarkt. Da darf gerne etwas mehr die Werbetrommel außerhalb der Stadt gerührt werden. Social Media macht’s möglich. Im Tourismusmarketing läuft vieles gut, aber nicht so perfekt, wie es oft dargestellt wird. Es gibt noch eine Fülle an ungenutzten Potentialen. Da hat der neue Bürgermeister eine große Spielwiese mit besten Erfolgsaussichten.
Bürgerservice
Wer mit der Hansestadt Stade schon einmal kommuniziert hat, wird eventuell schon die Erfahrung gemacht haben, dass Bürgerservice häufig nicht an erster Stelle steht. Unsere persönlichen Erlebnisse sind erschreckend negativ. Schlechte Erreichbarkeit, lange Rückmeldezeiten, keine Reaktion auf Anfragen bis hin zu einem Verhalten, das suggerieren soll, „wer hier das Sagen hat“, haben wir des Öfteren in verschiedenen Angelegenheiten erlebt.
Dass man im Meldeamt den nächsten freien Termin erst in zweieinhalb Wochen (oft auch deutlich später!) erhält, ist unsäglich und einer Kleinstadt in keiner Weise würdig. Dass sowohl online als auch vor Ort auf Aushängen zusätzlich noch im schönsten Behördendeutsch von einer „Vorsprache“ die Rede ist, zeigt, wie weit sie von Dienstleistung entfernt ist. Dokumenten-Abholautomaten sind zudem immer noch nicht vorhanden. Andere Verwaltungen sind seit vielen Jahren deutlich weiter. Hier ist dringender Handlungsbedarf gefordert – weg vom Behörden- und hin zum Dienstleistungsgedanken.
Kommunikation
Eine gute Kommunikation nach Außen kann nur so gut sein wie der oberste Chef es zulässt. Dass der Stadtrat als erste Meldung nach der schrecklichen Tat mit sechs toten Menschen im Juni dieses Jahres in einem Social Media Post mit den Worten „Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht…“ begann, ließ nicht nur uns fassungslos zurück. Nach etwa 100 Kommentaren, die wenig überraschend überwiegend negativ waren, hat die Stadt den Beitrag still und heimlich gelöscht. Auf Social Media-Kanälen ein absolutes No-Go.
Ungewöhnlich ist zudem, dass die Hansestadt und Stade Marketing und Tourismus unterschiedliche Social Media-Profile betreiben. Sicherlich eine überlegte und strategische Entscheidung. Trotzdem führt das dazu, dass „die schönen Inhalte“ fast ausschließlich von Tourismus-Seite kommen, während die Seiten der Stadt regelmäßig Baustellen-Posts mit dem immer gleichen Bild beinhalten. Hinweise auf Veranstaltungen oder auf die schönen Seiten der Stadt sind hier selten, ebenso wie wirkliche Interaktion und Unterhaltung. Dass der Instagram-Seite der Stadt nur knapp 2.700 Menschen folgen, ist das Ergebnis daraus. Ein Blick – beispielsweise nach Oldenburg – zeigt, wie es gehen könnte.
Dafür braucht es jedoch einen kommunikationsoffenen und modernen Bürgermeister. Von den ursprünglich sechs Bürgermeisterkandidaten sind nur vier auf Instagram auffindbar. Die höchste Follower-Zahl hat Kai Koeser mit gerade einmal knapp über 2.100. Überzeugen konnte und kann hier bislang niemand. Dabei ist Social Media heutzutage eines – oder wenn nicht sogar das wichtigste Marketinginstrument überhaupt. Kann ja trotzdem nur besser werden.
Grünflächen und Müll
Weshalb Grünflächen und Müll in eine Kategorie gefasst sind? Weil sie in Stade im übertriebenen Sinne manchmal nahe beieinander liegen. Zwar gibt es hier und da ein paar halbwegs ansehnlich begrünte Verkehrsinseln. Auf öffentlichen Grünflächen, die die Stadt teilweise als „Blühfläche“ bezeichnen, wird oft seit Jahren nichts getan. Weder blüht hier etwas, noch sehen Flächen gepflegt aus. Stattdessen verbreiten sich dort Brombeeren, Bambus und andere Wildgewächse.
Dass an vielen Stellen Wildmüll und übervolle Müllcontainer das Stadtgebiet verschandeln, lenkt immerhin manchmal von den sogenannten „Blühflächen“ ab, die keine sind.
Hier muss sich zwingend etwas ändern!
Platz Am Sande
Der Ankerplatz Am Sande ist in der jetzigen Form eine Verunstaltung der Innenstadt. Der Platz ist viel zu zentral und zu wichtig, um in dieser Form bestehen zu bleiben. Auch hier besteht großer Handlungsbedarf.
Angebote für Kinder
Das Solemio, das Museum im Schwedenspeicher und ein paar Spielplätze sind die „Highlights“ für Kinder in Stade. Weitere Attraktionen gibt es für diese Altersklasse nicht vor Ort. Sämtliche Orte, die die Kinder wirklich anziehen, liegen außerhalb. Sei es das Kidsplanet und die Eishalle Harsefeld, der Wildpark Schwarze Berge, der Spiel- und Sportpark sowie der Zoo Wingst oder in Otterndorf die Spielscheune, die Skateranlage, der See und der Aquapark. Es gibt also ausreichend Möglichkeiten in der Umgebung, aber eben nicht in Stade. Wenn es etwas gäbe, würde das nicht nur die einheimischen Kinder und Eltern freuen, sondern auch den Familien-Tourismus stärken. Der Bürgermeister könnte den Fokus in vielerlei Hinsicht stärker auf Familien mit Kindern legen.
Erhalt und Förderung bestehender Einrichtungen
Der Bürgermeister muss sich stark für den Erhalt und die Förderung bestehender Einrichtungen einsetzen. Da wären städtische und stadtnahe Einrichtungen wie beispielsweise das Stadeum, die Museen, das Solemio, der Stadtjugendring oder die Volkshochschule. Es gilt jedoch auch für das Kino, die Seminarturnhalle oder generell für Einrichtungen, die in Stade stark nachgefragt sind. Die Schließung des „Fiddlers“ wirkt immer noch nach. Weitere Verluste in dieser Größenordnung würden der Stadt keineswegs guttun und können nur schwer bis gar nicht ersetzt werden. Bei privat geführten Einrichtungen sind die möglichen Maßnahmen für einen Bürgermeister natürlich überschaubar. Sie hängen jedoch auch von der Gesamtentwicklung der Stadt ab.
